Guben-Gubin zum Wiederaufbau der einstigen Villa Wolf am Neißeufer

Die gemeinsame Kommission „Eurostadt Guben-Gubin“ hat weitere Schwerpunkte ihrer parlamentarischen Arbeit gesetzt. Das grenzübergreifende Gremium ist am gestrigen Montagabend, 15. Februar, zur dritten Sitzung im Gubener Rathaus zusammengekommen. Im Fokus der Diskussion durch die 21 anwesenden deutschen und polnischen Mitglieder standen dabei drei Themenfelder: der geplante Tagebau Gubin-Brody, das gemeinsame Frühlingsfest an der Neiße 2016 sowie die Idee zum Wiederaufbau der einstigen Villa Wolf am Gubiner Neißeufer.   

Florian Mausbach, Vorsitzender des Vereins Architekturpreis Berlin, vor einer historischen Aufnahme der Villa Wolf
Florian Mausbach, Vorsitzender des Vereins Architekturpreis Berlin, vor einer historischen Aufnahme der Villa Wolf

Das Vorhaben zur Wiedererrichtung der Villa Wolf hat den Anwesenden der Berliner Architektur-Kenner Florian Mausbach persönlich vorgestellt. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins Architekturpreis Berlin und einstiger Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung gilt als Vater der Idee: „Der Wiederaufbau als europäisches Mies-van-der Rohe-Museum  wäre ein kultureller deutsch-polnischer Brückenschlag und zugleich ein Beitrag zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses in 2019, dessen letzter Direktor in Dessau und Berlin Mies van der Rohe war“.  Mausbach macht sich dafür stark, das bedeutsame Erstlingswerk des weltberühmten Architekten der Moderne als Modell im Maßstab 1:1 wieder am Neißehang zu errichten und zum europaweit einmaligen Forschungs- und Ausstellungsobjekt zu machen. „Die Villa Wolf als radikal modernes Haus wieder erlebbar zu machen, würde Aufmerksamkeit aus der ganzen Welt bedeuten und zahlreiche Menschen in die deutsch-polnische Eurostadt Guben-Gubin locken“, sagt Mausbach. Die 1926 für die kunstsinnigen Gubener Tuchfabrikanten Erich und Elisabeth Wolf errichtete Villa wurde 1945 in den letzten  Kriegstagen zerstört.  Die abstrakte kubische Backsteinskulptur von Mies van der Rohe gilt bis heute als „Urvilla der Moderne“ und Meilenstein der Baugeschichte. Das Grundstück mit den erhaltenen Kellern und Fundamenten ist heute eine öffentliche Grünanlage im polnischen Gubin. „Der Wiederaufbau hat bereits zahlreiche Unterstützer in Deutschland, Polen und der USA gefunden. Wichtig ist nun aber auch, dass es ein gemeinsames Projekt der Städte Guben und Gubin wird und in der Grenzregion fest verankert ist“, erklärte Mausbach der gemeinsamen Kommission.  Dieser Ansicht stimmten auch Gubins Bürgermeister Bartłomiej Bartczak und Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro zu. „Ich halte die Villa Wolf stadtgeschichtlich, touristisch und architektonisch für ein absolutes Highlight in unserer Doppelstadt“, erklärte Mahro. Auf einer prominent besetzten Auftaktveranstaltung, Fachtagung und Ausstellung am 11. März 2016 im Berliner Kulturforum wollen die beiden Rathauschefs zusammen mit Florian Mausbach eine gemeinsame Absichtserklärung zum Wiederaufbau und der nachhaltigen Nutzung der Villa Wolf als Museum sowie grenzüberschreitende kulturelle Begegnungs- und Forschungsstätte unterzeichnen. Dort sollen auch weitere Förderer zur Finanzierung des Projekts auf Basis einer gemeinnützigen Europäischen Genossenschaft gewonnen werden – bisher haben Mausbach zufolge Spender bereits mehrere Zehntausend Euro dafür bereitgestellt. Einen entsprechenden Beschluss zur Unterzeichnung der Erklärung durch Gubens Stadtoberhaupt wird das Gubener Stadtparlament voraussichtlich Anfang März fällen. In der Nachbarstadt Gubin soll die Entscheidung bis Ende Februar getroffen werden.

Weiteres Thema auf der jüngsten Sitzung der grenzübergreifenden Kommission war der Vorbereitungsstand zum Frühlingsfest, das die Städte Guben und Gubin vom 3. bis 5. Juni 2016  gemeinsam feiern werden. Auf der Gubiner Seite sind derzeit unter anderem ein Festival der Wissenschaft, der Aufritt des Warschauer Militärorchesters und ein Festumzug geplant. „Auch Gubener Vereine, Institutionen oder Schulen sind aufgerufen, sich am Festumzug zu beteiligen“, erklärt Mitorganisator Janusz Gajda, Leiter des Gubiner Kulturhauses.

Interessierte können sich gern unter Tel. 03561/6871-1041 oder per E-Mail an kontakt@guben.de an die Stadt Guben wenden, die den Kontakt vermittelt.  Auf der Gubener Seite wartet zum Stadtfestwochenende ebenfalls ein buntes Bühnenprogramm und festliches Markttreiben auf die Besucher. Es gibt Auftritte verschiedener Rock-, Pop- oder Country-Bands, Vereine präsentieren sich und den Kindern werden viele Möglichkeiten zum Austoben geboten. Neben einer Oldtimer-Rallye und dem traditionellen Entenrennen auf der Egelneiße soll zum „Frühling an der Neiße“ vor allem die 25-jährige Städtepartnerschaft von Guben, Gubin und Laatzen ausgiebig gefeiert werden.

Die nächste öffentliche Sitzung der Kommission „Eurostadt Guben-Gubin“ findet voraussichtlich am 9. Mai 2016, 17 Uhr, im Gubiner Rathaus statt. Schwerpunkt wird wahrscheinlich die Sicherheit in der Eurostadt und Förderungsmöglichkeiten im Rahmen des neuen Kleinprojektefonds (KPF) bei der Euroregion Spree-Neiße-Bober sein.

Hintergrund: Dem Gremium gehören die Bürgermeister der Doppelstadt Guben-Gubin, Bartłomiej Bartczak und Fred Mahro, sowie jeweils zehn Stadtverordnete aus jeder der beiden Grenzstädte an. Grundlage der Kommissionsbildung war eine gemeinsame Erklärung beider Stadtverordnetenversammlungen zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit, die Anfang Mai 2015 unterschrieben wurde. Darin verpflichteten sich beide Städte, die deutsch-polnische Zusammenarbeit weiter zu intensivieren. Die konstituierende Sitzung erfolgte am 21. September 2015 im Gubener Rathaus. „Grundsätzlich haben unsere Einzelabstimmungen empfehlenden Charakter und müssen in den Stadtparlamenten jeweils noch einmal formal beschlossen werden“, erklären der polnische Kommissionsvorsitzende Krzysztof Zdobylak und der deutsche Kommissionschef Günter Quiel.

Quelle & Foto: Stadt Guben

Das Titelbild zeigt Gubens amtierenden Bürgermeister Fred Mahro zusammen mit dem Kommissionsvorsitzenden Günter Quiel sowie Gubins Bürgermeister Bartłomiej Bartczak und Krzysztof Zdobylak , polnischer Kommissionschef (v.l.n.r.)

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