Der 2. Weltkrieg stellte in der Geschichte der Stadt Guben und des Kreises
den tiefsten und schmerzlichsten Einschnitt dar.
War schon im Ergebnis des 1. Weltkrieges die deutsche Ostgrenze von 220 auf
94 Kilometer herangerückt, so teilte der 2. Weltkrieg das, was im Laufe
von 900 Jahren zusammengewachsen war.
Die Neiße, einst Schutzschild im Mittelalter für die Bürger
in der ummauerten Stadt und zugleich wichtigste Verkehrsader bis zum 19. Jahrhundert,
später Stätte der Erholung und des Wassersports, trennte nun, was
in den Kriegskämpfen von Februar bis zum April 1945 zerstört und noch
heilgeblieben war, in zwei Städte und Staaten unterschiedlicher Nationalität.
In Übereinstimmung der Siegermächte des 2. Weltkrieges wurden nach
der Zerschlagung des Hitlerfaschismus die deutschen Ostgebiete jenseits der
Oder-Neiße-Linie durch das Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung
gestellt.
Das hatte zur Folge, daß der Gubener Kreis ein zweites Mal halbiert wurde.
Es verblieb das westlich von Oder und Neiße gelegene Gebiet mit 50 Landgemeinden
und einer Stadtgemeinde (Fürstenberg) sowie 35.192 Einwohnern.
Fünf Jahre später, am 30. Juni 1950, wurde er ganz von der Landkarte
gestrichen.
33 Gemeinden wurden danach in den Landkreis Frankfurt und 15 sowie die kreisfreie
Stadt Guben in den Landkreis Cottbus eingegliedert. Die Neugründung des
Landkreises Guben erfolgte im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform 1952.
Die Dörfer, die bis 1950 zum Kreis gehörten und westlich sowie südlich
der Stadt lagen, drei Dörfer aus dem alten Kreis Lübben (Staakow,
Pinnow, Reicherskreuz) und vier aus dem alten Landkreis Cottbus (Tauer, Schönhöhe,
Drewitz, Jänschwalde) bildeten die neue Verwaltungseinheit. Der Gubener
Stadtkreis wurde aufgelöst und die Stadt erhielt den Status einer Kreisstadt.
Die Orte Groß-Breesen, Reichbach und Kaltenborn wurden in Guben eingemeindet.
Der Kreis umfaßte jetzt 381 Quadratkilometer, 25 Land- und eine Stadtgemeinde
mit 44.600 Einwohnern (1983).
Heute steht der Kreis Guben erneut zur Disposition.
Nach dem Willen des Innenministers und einer unabhängigen Arbeitsgruppe
zur Kreisgebietsreform sollen Guben, Forst, Cottbus/Land und Spremberg einen
gemeinsamen Kreis bilden.
Jedoch haben dem entgegen in Anlehnung an die Historie die Kreistage von Guben
und Eisenhüttenstadt (ehemals Fürstenberg) Beschlüsse gefaßt
für ein künftiges gemeinsames Kreisgebiet. Ihre Argumente für
diesen Kreis werden letztendlich mit über sein Entstehen entscheiden.



