Entwicklung des Kreis Guben

Entwicklung des Kreis Guben

Der Kreis Guben bis 1815

Die Verwaltung des Landes nach unserem heutigen Verständnis (Kreise) hatte sich im 11., 12. und 13. Jahrhundert noch nicht herausgebildet. Erstmals wurden Gebiete der Markgrafschaft im 14. Jahrhundert als Gerichtsbezirke bezeichnet, darunter Guben. Von der „Pflege“ lesen wir im 15. Jahrhundert, worunter schon ein begrenztes Gebiet verstanden wurde. Und schließlich heißt es in einer Musterungsliste der Markgrafschaft aus dem Jahre 1528 „Kreise“; aufgeführt wurden Luckau, Guben, Lübben, Calau und Spremberg. Aus den anfänglichen Gerichtsbezirken waren Verwaltungseinheiten auf Kreisebene entstanden.

Der Kreis Guben als der flächenmäßig größte Kreis des Markgraftums erstreckte sich auf annähernd 2.155 Quadratkilometern. Seine Grenzen verliefen im Norden von der Oder bis zum Ostufer des Müllroser Sees; im Westen von der Schlaube über Pinnow, Horno bis Groß-Kölzig; im Süden bei Muskau bis Sorau; im Osten vom Bober über Christianstadt bis Pollenzig an der Oder und dann nordwärts am Westufer der Oder bis zum Ausgangspunkt.

Der Kreis umfaßte acht Städte, 258 Dörfer, 55 Rittergüter, 16 Vorwerke und 75 Kirchdörfer. An der Spitze des Kreises standen der Landesälteste und die Kreisstände als Körperschaft der standesberechtigten großen Feudalherrschaften, der Ritterschaft und der Stadt Guben als landesherrliche Stadt.

Der Kreis Guben von 1816 bis 1945

Nach der Niederlage Napoleons wurden 1815 auf dem Wiener Kongreß einige Gebiete in Deutschland unter den Fürstenhäusern aufgeteilt. Auch in unserem Fürstentum trat ein Wechsel in der Landesherrschaft ein. Waren bis zu dieser Zeit die sächsischen Wettiner unsere Landesherren, so wurde jetzt dem König von Preußen die Markgrafschaft übertragen.

Die Niederlausitz kam als ein Teil zur neugegründeten preußischen Provinz Brandenburg. Gleichzeitig wurde der alte Gubener Kreis halbiert. Aus seinem südlich/südöstlichen Gebiet entstand der Landkreis Sorau.

Die südliche Grenze des Gubener Kreises verlief nun südlich von Horno und nördlich von Sommerfeld.

Nach preußischem Brauch wurde die Verwaltung durch königliche Landräte ausgeführt. Erster Landrat von Guben war Freiherr Ernst Wilhelm von Manteuffel.

Am Ende des 19. Jahrhunderts umfaßte der Kreis eine Fläche von etwa 1.076 Quadratkilometern die Stadt Fürstenberg und 107 Landgemeinden. Die Stadt Guben bildete 1884 nach Erreichen der Einwohnerzahl von 25.840 einen eigenen Stadtkreis. Im Kreis Guben lebten 43.289 Einwohner.

Der Kreis Guben von 1945 bis heute

Der 2. Weltkrieg stellte in der Geschichte der Stadt Guben und des Kreises den tiefsten und schmerzlichsten Einschnitt dar. War schon im Ergebnis des 1. Weltkrieges die deutsche Ostgrenze von 220 auf 94 Kilometer herangerückt, so teilte der 2. Weltkrieg das, was im Laufe von 900 Jahren zusammengewachsen war.

Die Neiße, einst Schutzschild im Mittelalter für die Bürger in der ummauerten Stadt und zugleich wichtigste Verkehrsader bis zum 19. Jahrhundert, später Stätte der Erholung und des Wassersports, trennte nun, was in den Kriegskämpfen von Februar bis zum April 1945 zerstört und noch heilgeblieben war, in zwei Städte und Staaten unterschiedlicher Nationalität.

In Übereinstimmung der Siegermächte des 2. Weltkrieges wurden nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus die deutschen Ostgebiete jenseits der Oder-Neiße-Linie durch das Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung gestellt.

Das hatte zur Folge, daß der Gubener Kreis ein zweites Mal halbiert wurde. Es verblieb das westlich von Oder und Neiße gelegene Gebiet mit 50 Landgemeinden und einer Stadtgemeinde (Fürstenberg) sowie 35.192 Einwohnern. Fünf Jahre später, am 30. Juni 1950, wurde er ganz von der Landkarte gestrichen.

33 Gemeinden wurden danach in den Landkreis Frankfurt und 15 sowie die kreisfreie Stadt Guben in den Landkreis Cottbus eingegliedert. Die Neugründung des Landkreises Guben erfolgte im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform 1952.

Die Dörfer, die bis 1950 zum Kreis gehörten und westlich sowie südlich der Stadt lagen, drei Dörfer aus dem alten Kreis Lübben (Staakow, Pinnow, Reicherskreuz) und vier aus dem alten Landkreis Cottbus (Tauer, Schönhöhe, Drewitz, Jänschwalde) bildeten die neue Verwaltungseinheit. Der Gubener Stadtkreis wurde aufgelöst und die Stadt erhielt den Status einer Kreisstadt.

Die Orte Groß-Breesen, Reichbach und Kaltenborn wurden in Guben eingemeindet.

Der Kreis umfaßte jetzt 381 Quadratkilometer, 25 Land- und eine Stadtgemeinde mit 44.600 Einwohnern (1983).

Heute steht der Kreis Guben erneut zur Disposition. Nach dem Willen des Innenministers und einer unabhängigen Arbeitsgruppe zur Kreisgebietsreform sollen Guben, Forst, Cottbus/Land und Spremberg einen gemeinsamen Kreis bilden. Jedoch haben dem entgegen in Anlehnung an die Historie die Kreistage von Guben und Eisenhüttenstadt (ehemals Fürstenberg) Beschlüsse gefaßt für ein künftiges gemeinsames Kreisgebiet. Ihre Argumente für diesen Kreis werden letztendlich mit über sein Entstehen entscheiden.

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