Mit der Broschüre zum Grünen Pfad beteiligt sich die Stadt Guben offenbar am Städte-Wettbewerb „nieder Lausitz“. Die Anforderungen dabei sind hoch: Gefragt sind Inkompetenz bei Gestaltung und Inhalt, Kreativität bei Schreibfehlern, der Auftrag muss von einer auswärtiger Firma ausgeführt und mit Fördermitteln finanziert sein. Dazu gehört auch nachweisbar hohes Einsparpotenzial beim Korrekturlesen. Das Ganze soll Touristen abschrecken, die Stadt zu besuchen und Einheimische verwirren.

Wie stehen nun die Chancen für Guben in diesem Wettbewerb? Ich denke gut, denn schon der erste Satz in der Broschüre ist falsch. Da heißt es: „Als eine der ältesten Städte der Niederlausitz blickt die Doppelstadt Guben – Gubin auf eine wechselvolle Geschichte zurück.“ Von einer Doppelstadt wird erst seit wenigen Jahren gesprochen, während Heinrich der Erlauchte 1235 Guben die Stadtrechte verlieh. Bis zur Teilung 1945 war das eine Stadt. Dass sich solche „Banalitäten“ in 777 Jahren herumsprechen, kann man ja nicht einfach so erwarten, oder? Schön, dass man diesen Fehler in der Broschüre auch in Polnisch und Englisch lesen kann.

Mit Englisch hatten die Macher wohl ihre Probleme, denn selbst die Überschrift für den englischen Text gaben sie nicht etwa in Englisch, sondern in Deutsch und Polnisch an. Da ja ohnehin nur wenige Engländer hier her kommen, hat man sich darauf beschränkt, weitere Texte nur noch in Deutsch und Polnisch in die Welt zu setzen. Doch nicht nur das, man hat sogar einen neuen Ort erfunden: Groß Lieskau. Von dort soll nämlich 1980 die Uhr für die Klosterkirche gekommen sein. Oder war es nicht Groß Lieskow? Sagenhaft!

Bei den Öffnungszeiten des Jugend- und Begegnungszentrums entsteht die Frage, ob denn Stadtverwaltung und Stadtbibliothek keine Öffnungszeiten haben, da sie nicht genannt werden?
Liest man die detaillierten Ausführungen zu Wilhelm Pieck, fragt man sich am Ende: Aber ist nicht das Denkmal für Wilhelm Pieck eine Station des Grünen Pfades? Warum erfährt man dazu nichts?

Bemerkenswert die Ausführungen zur Theaterinsel: Da gab es einen „Schießverein“ statt einer „Schützengilde“ und einen „Schießstand“ statt eines „Schützenhauses“. Zwar hieß der Architekt des Theaters Oskar Titz und nicht Tietz, aber ein Buchstabe mehr oder weniger, fälllt ja auch nicht ins Gewicht. So auch beim Aboretum, wo zur Abwechslung mal einer felt, da ein botanischer Garten ein Arboretum ist.

Die Bezeichnung Lubst für den Nebenfluss der Neiße schien den Autoren wohl zu langweilig und sie tauften sie in Lubschau um. Für die „kreativste“ Vergewaltigung der deutschen Sprache halte ich die Bezeichnung „Pseudoromantisches Tor“. Da ist die wieder falsch angegebene Ersterwähnung der Stadt- und Hauptkirche 1324 statt 1294 ja kaum noch der Rede wert. Nur seltsam, dass die Informationstafel an besagter Kirche die korrekte Jahreszahl nennt.

Ganz anders sieht es da mit der Informationstafel für den Standort der ehemaligen Synagoge im alten Guben, heute Gubin, aus, an der es seit 1998 einen Gedenkstein gibt. Ein Hinweis darauf fehlt in besagter Broschüre leider völlig. Ob Unwissenheit, Dummheit, Ignoranz oder was auch immer dazu führte, ist am Ende gleich. Auf jeden Fall bietet sich an dieser Stelle ein dankbares Arbeitsfeld für die im vergangenen Jahr in Guben gegründete „Christlich-jüdische Gesellschaft“.
So erweist sich die Broschüre als gutes Lehrbeispiel für schlechte Arbeit. Sie gehört als Klassensatz in die Abiturstufe, um zu zeigen, was oberflächlicher, schlampiger Umgang mit Geschichte bedeutet. Andere Städte erstellen Publikationen, um sich positiv ins Bild zu setzen. In Guben geht man da andere Wege, ohne zu bedenken, dass diese Irrwege in eine Sackgasse führen.

Ich wünsche der Broschüre eine weite Verbreitung, damit sich viele davon überzeugen können, zu welchen Fehlleistungen die Stadt Guben fähig ist. So schnell wird aus einer Doppelstadt eine Deppenstadt. Gerhard Gunia dagegen ist es hoch anzurechnen, dass er als Historiker es als Ehre und Auszeichnung empfindet, sich in das Goldene Buch einer Stadt einzutragen, die ihr historisches Unvermögen so gedankenlos zur Schau stellt und damit öffentlich bekundet, wie wenig ihr leider die eigene Geschichte und damit auch seine historischen Arbeiten tatsächlich bedeuten.

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