Auf Initiative der Woiwodschaft Lubuskie und mit aktiver Unterstützung der Kommunen wird die grenzüberschreitende Eisenbahnverbindung zwischen Zielona Góra und Guben, die 2002 eingestellt worden war, wieder aktiviert. Das Unternehmen PKP Polskie Linie Kolejowe S.A hat eine Investition abgeschlossen, welche die Wiederaufnahme des Betriebes nach einer 20-jährigen Pause wieder ermöglicht. Die Einweihung des Personenverkehrs auf dieser Strecke erfolgt am 12. Juni 2022.

Dazu fand heute eine gesonderte Pressekonferenz im Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie in Zielona Góra statt. An der Konferenz nahmen auch die polnischen Bürgermeisterkollegen sowie Vertreter des Marschallamtes sowie der POLREGIO S.A. und PKP Polskie Linie Kolejowe S.A. teil.

Ab Sonntag, 12. Juni 2022, werden immer samstags drei Züge und sonntags zwei Züge zwischen Zielona Góra und Guben pendeln. Ab dem 11. Dezember 2022 sind bereits sechs Zugfahrten an den Wochenendtagen geplant. Ebenso wurde auch über die Fahrkartenpreise berichtet. Eine Fahrkarte für die Strecke Zielona Góra – Guben kostet 18,60 PLN (4,20 EUR) und die Fahrten zwi-schen Guben und Gubin sind zunächst kostenlos. Fahrkarten sind sowohl über das Internet bzw. App als auch im Zug erhältlich.

Bürgermeister Fred Mahro über die Wiederbelebung des grenzüberschreitenden Personennahverkehrs:

Für die Gubener Bahn gab es im August 2021 bereits drei Gründe zum Feiern:

  • 175 Jahre Bahnstrecke Berlin-Breslau (heute Wroclaw),
  • 150 Jahre Anschluss der Bahnstrecke Cottbus-Guben und damit Anschluss an die Strecke Guben-Posen (heute Poznan) sowie
  • 150 Jahre Bahnhofsempfangsgebäude.

Die Gründe der „strategischen Väter“ der Bahnverbindungen und der Bahnhöfe sind heute aktueller denn je. Wenn man eine ökologische und ökonomische Verkehrswende vollzieht, geht das immer über die Optimierung vorhandener Potenziale. Für uns Gubener*innen und Gubiner*innen hat unser Bahnhof eine ganz besondere Bedeutung. Familienangehörige und Freunde werden verabschiedet und begrüßt. Auf den Bahnsteigen wird zumeist Deutsch und Polnisch gesprochen. Es sind die Emotionen, die diesen Ort in unserer Stadt so historisch und einmalig machen. Das ist für mich der wahre Geist und die wahre Bestimmung eines Bahnhofs sowie die Verpflichtung der jetzt Verantwortlichen in Deutschland und unserem Nachbarland diesen Spirit zu bewahren. Ich möchte dabei überhaupt nicht die Bedeutung als Umschlagplatz für Güter verkennen und diese Bedeutung hat die Deutsche Bahn AG bewahrt und sie veranlasst, in den Standort Guben zu investieren. Einen besonderen Beitrag leistet die Wiederbelebung des grenzüberschreitenden Personennahverkehrs zwischen Lubuskie und Brandenburg. Dieses neue Streckenangebot kann auch eine Entlastung für die Strecke Berlin – Warschau bedeuten und gleichzeitig in einem zweiten Schritt die Metropolen Leipzig und Poznan über Cottbus und Guben/Gubin auf dem kürzesten Weg verbinden. Natürlich bringt die Wiederaufnahme der Strecke auch dem touristischen Verkehr Vorteile. Nicht nur für Städtereisende wird die Linie attraktiv, diese Bahnverbindung im deutsch-polnischen Grenzland bietet entlang der Strecke vielzählige touristische Freizeitangebote und wertet somit eine ganze Region auf. 20 Jahren nach der Einstellung des Personenverkehrs auf der Schiene ist die Wiederaufnahme der Zugverbindung zwischen Guben und Zielona Góra eine nachhaltige Ver-besserung des grenzüberschreitenden Schienenpersonennahverkehrs. Es ist aber nur ein erster Schritt. Weitere müssen folgen!“

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pressekonferenz im Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie in Zielona Góra

Quelle & Foto: © Stadt Guben, Krzysztof Zdobylak

 

Am 15. Mai 2022, dem Internationalen Museumstag, der auch in diesem Jahr deutschlandweit mit besonderen Aktivitäten in Museen begangen wird, präsentieren wir am Standort des Stadt- und Industriemuseums die deutsch-polnische Sonderausstellung unter dem Titel: „Mies van der Rohe – Aufbruch in die Moderne in Guben/Gubin. Es ist eine in Kooperation mit dem Berliner Fotografen Lars Wiedemann und unter Beteiligung des polnischen Vereins „Freunde des Gubiner Landes“ entstandene Sonderausstellung. Gefördert wurde diese von der Euroregion Spree-Neiße Bober. 

Guben und Gubin sind seit vielen Jahren Partnerstädte, die ihre nachbarschaftlichen Beziehungen auch auf dem Gebiet der Kunst- und Kulturhistorie pflegen. Die Eurostadt Guben/Gubin erzählt u.a. auch über eine eigene Architektur, die Anfang des 20. Jahrhunderts auch durch den Bauhausstil geprägt war. Ludwig Mies van der Rohe errichtete im heutigen Gubin sein Erstlingswerk. Er entwarf und baute hier am Neißehang ein Wohnhaus mit einem dazugehörigen Garten. Mit diesem Bau skizzierte er seinen Stil für das neue Bauen und begab sich in die Reihen seiner Vorgänger, der Bauhausdirektoren: Walter Gropius und Hannes Meyer. Aufgrund starker Beschädigungen durch den Zweiten Weltkrieg wurde das Wohnhaus nach Kriegsende nicht wiederaufgebaut. Die Reste des Kellers wurden zugeschüttet und sind heute das Fundament für die Planungen des Wiederaufbaus des wegweisenden Gebäudes. 

Inhalt unserer Sonderausstellung sind historische und aktuelle Fotografien, die im Kontext zu Exponaten und begleitenden Texten in deutscher und in polnischer Sprache stehen. Dabei begeben wir uns auf die Spuren des letzten Bauhausdirektors, berichten über den aktuellen Stand der Erkenntnisse der erst im Jahr 2021 durchgeführten Grabungen und zeigen Dokumentationen des aktuellen Forschungsstandes zum Wiederaufbau des grandiosen Bauwerkes. Im Rahmen der Ausstellungsdauer sind in den Sommermonaten Sonderveranstaltungen mit Fachvorträgen geplant, wobei hier auch die Gedanken und Meinungen der Bewohner der Doppelstadt zum Projekt des Wiederaufbaus aufgegriffen und zusammengefasst werden sollen. Für die Verständigung sorgen mehrere Sprachmittler. 

Zu sehen ist die Ausstellung ab dem 15. Mai 2022 bis zum 4. September 2022 zu den regulären Öffnungszeiten des Museums. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! 

Quelle & Foto: Stadt Guben

Eine kleine Zeitreise in die Niederlausitzer Heimatgeschichte kann am Samstag, 30. April 2022, unternommen werden. Die Kulisse für den 4. DeutschPolnischen Historienmarkt bildet die Alte Färberei am FriedrichWilkePlatz. Von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr können Besucherinnen und Besucher die Vielfalt der Niederlausitzer Geschichte zwischen Mittelalter und DDRZeit beiderseits der Neiße entdecken.

Kommen Sie mit Autoren ins Gespräch, die ihre erlebte Zeitgeschichte bzw. ihre Forschungen als Buch veröffentlichten. Lauschen Sie Vorträgen von Heimatforschern und lassen Sie sich mit Sammlern historischer Gegenstände in ihre Erinnerungen geleiten. Schauen Sie einem Kalligraphen auf die Finger, wenn er kunstvoll Buchstaben und Worte aufs Papier zaubert. Organisiert wird die Veranstaltung vom Fachbereich III der Stadtverwaltung Guben. Der 4. DeutschPolnische Historienmarkt öffnet am Samstag, 30. April 2022, von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr in der
Alten Färberei Guben seine Pforten. Der Eintritt ist frei. Für Imbiss und Getränke ist gesorgt.

Bild:  Einblicke in die Niederlausitzer Heimatgeschichte. © Stadt Guben

Fotograf: Laura Böhme

Am 23. Februar 2022 war es nun endlich so weit! Im zweiten Anlauf konnte im Beisein ehemaliger Hutmacher sowie Hutmacherinnen der VEB Hutwerke Guben und weiteren Gästen aus Politik und Kultur das digitale Zeitzeugenprojekt präsentiert werden. In Form einer Podcast-Produktion zum Thema: „Die 10 Geheimnisse der Gubener Hutherstellung“ wurde das Projekt, welches vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gefördert ist, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Hauptakteure des Projektes, Zeitzeuge Joachim Hempel und die Sängerin Kathrin Clara Jantke, in deren Tonstudio die einzelnen Podcast-Folgen produziert und für die Weiterverbreitung
vorbereitet wurden, waren ebenfalls anwesend. Sängerin Kathrin Clara Jantke war über eine Videokonferenz passend zum virtuellen Thema zugeschaltet. Sie und Joachim Hempel berichteten
nach der Einführung zum Projekt durch die Museumsleiterin Heike Rochlitz über ihre Eindrücke bei der Umsetzung der „10 Geheimnisse der Gubener Hutherstellung“.

Beiden Akteuren gilt ein großer Dank. Sie haben dazu beigetragen, dass die Tradition der Gubener Hutmacher auch für die zukünftigen Generationen durch die authentische Schilderung bewahrt wird.
Wir sind stolz darauf, dass das Förderprojekt in dieser Form ein Alleinstellungsmerkmal in Brandenburg hat. Es entstand erstmals ein Podcast zur Hutherstellung in der einstigen VEB Hutwerke Guben, in der alle Fertigungsschritte in Gänze dargestellt sind. Zudem werden Geheimnisse aus den Gubener Hutbetrieben gelüftet, die bisher Außenstehenden vorenthalten waren, z.B. das Haifischhaut bei der Hutherstellung von großer Bedeutung war. Zu finden sind die Podcast-Folgen auf den Onlineplattformen: www.museum-digital, der Deutschen Digitalen Bibliothek, Spotify, YouTube und natürlich auch im Stadt- und Industriemuseum. Alle 10 Folgen können während eines Besuches im Museum über einen QR-Code abgerufen werden. Reinhören lohnt sich!

Zeitzeuge Joachim Hempel bei seinem Vortrag

Quelle & Foto: Stadt Guben

Der Kunst- und Kulturbeirat der Stadt Guben hat sich in seiner Arbeit der Sonnenuhr vor der ehem. Copernicus-Oberschule gewidmet. Bereits im Jahr 2015 befasste sich das Gremium mit der Sonnenuhr, nachdem der ehem. Astronomie-Lehrer Adolf Branke über die Fehler und Mängel an dem Kunstwerk berichtete. Damals zweifelte der Beirat in mehrheitlicher Meinung die Einstufung der Sonnenuhr als Kunstwerk deutlich an.

Die Sonnenuhr in der Goethestr. ist eine Arbeit des Künstlers Dieter Dressler, welche 1973 entstand. Sie bildete ein sinnbildliches Ensemble mit der ehem. Copernicus-Oberschule, welche sich im Hintergrund der Sonnenuhr befand. Dieter Dressler entwarf die Sonnenuhr, jedoch war er an der Ausführung selbst nicht beteiligt. Die Sonnenuhr besteht aus vielen zahlreichen glasierten sowie unglasierten Keramik- und Natursteinen, welche sich auf einem halbkreisförmigen Betonsockel befinden. Aus ihnen wurde ein Mosaik gefertigt, welches u. a. die Tierkreiszeichen der Monate, die Abbildung der Erdkugel und ein Porträt des Astronomen Johannes Kepler zeigt.

Bereits während der Bauphase entstanden die ersten Mängel an der Sonnenuhr. Um einen Baufehler auszugleichen, musste der Zeiger der Sonnenuhr auf den Polarstern ausgerichtet werden. Die Sternzeichen sind ebenfalls falsch angeordnet, zudem fehlt ein Sternzeichen. Weiterhin ist die in der Mitte dargestellte Person nicht Nicolaus Copernicus, sondern Johannes Kepler. Diese Fakten übermittelte Adolf Branke bereits 2015 an den Kulturbeirat, woraufhin dieser die Bezeichnung als Kunstwerk für die Sonnenuhr mehrheitlich anzweifelte.

Sechs Jahre später stellt der Kunst und Kulturbeirat erneut die Frage an alle Bürgerinnen und Bürger und lies die Stadtverwaltung Guben ein Restaurierungskonzept für die Sonnenuhr entwickeln. Mit Kostenstand zum Februar 2021 belaufen sich die Kosten für eine Restaurierung auf ca. 25.000 €. Nun liegt es an den Gubener Bürgerinnen und Bürgern, ihre Meinungen zur Zukunft der Sonnenuhr in der Obersprucke mitzuteilen.

Die Auffassungen können Herrn Horst Wetzel, Sprecher des Kunst- und Kulturbeirats, telefonisch unter 03561 2780 oder per E-Mail an howetzel@t-online.de mitgeteilt werden.

Hintergrund:
Der Künstler Dieter Dressler wurde 1932 in Dresden geboren. Er studierte an der Hochschule für bildende Künste in Dresden sowie als Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin. Später war er als freischaffender Künstler tätig. 1986 wurde Dressler aus der DDR ausgebürgert und zog nach Bayern. Er starb 2011 in Folge einer Krankheit in Bad Reichenhall. Viele seiner Kunstwerke sind bedeutende Bestandteile von Museen in Deutschland.
Quellen: https://www.dressler-atelier.de/dieter-dressler/vita-dieter-dressler, Neiße Echo 23/2015 vom 20.11.2015

Quelle & Foto: Stadt Guben